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Milchstau und Brustentzündungen 🔥 können jederzeit in der Stillzeit auftreten und stellen häufig eine große Belastung dar. Mit den sofortigen und richtigen Maßnahmen sind die Probleme jedoch meistens schnell in den Griff zu bekommen. Ein Weiterstillen ist meistens möglich und ein sehr wichtiger Teil der Behandlung.

Der Milchstau

Ein Milchstau geht häufig einer Brustentzündung voraus und ist gekennzeichnet durch einen behinderten Milchfluss mit einem Rückstau. Häufig ist der obere und untere äußere Quadrant der Brust von der Stauung betroffen. Meistens tritt ein Milchstau einseitig auf.

Diese Symptome deuten auf einen Milchstau hin:

  • eine diffuse Schwellung in einzelnen Arealen der Brust (selten ist die ganze Brust betroffen)
  • tastbare Verhärtung
  • die Brust ist leicht schmerzhaft
  • die betroffene Stelle ist meist leicht erwärmt
  • diffuse Rötung der Haut
  • Ihre Körpertemperatur ist leicht erhöht (sollte aber nicht höher als 38,4 °C sein)

Was kann die Ursache eines Milchstaus sein?

Bei einem Milchstau muss zunächst die Ursache herausgefunden werden, damit das Problem behoben werden kann und sich nicht wiederholt. Bei der Suche nach der Ursache gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Sie stillen zu selten, oder zu kurz:
    In diesem Fall ist einfach zu viel Milch in der Brust enthalten.
    Häufig und regelmäßig nach Bedarf stillen. Sollte Ihr Baby nicht genug Bedarf haben, kann überschüssige Milch abgepumpt – oder im Akutfall auch vorsichtig von Hand gewonnen werden. Am bequemsten sind hierfür elektrische Milchpumpen, die Sie einfach mieten können.
  2. Ihr Baby ist falsch angelegt:
    In diesem Fall kann ihr Kind nicht gut trinken.
    ✔ Das Problem kann durch eine Verbesserung der Technik behoben werden. Die richtige Technik kann Ihnen Ihre Nachsorgehebamme oder IBCLC-Stillberaterin zeigen.
  3. Ihr Baby ist krank:
    Wenn Babys erkranken kann sich das auch durch selteneres und kürzeres Stillen zeigen. Fieber, eine blasse/ gerötete/ verschwitzte Haut, ungewöhnlich lange Schlafphasen oder Schlaffheit können weitere Symptome sein.
    ❗ Bitte wenden Sie sich zuerst an einen Kinderarzt. In (lebens-) bedrohlichen Fällen sollten Sie den Rettungsdienst (☎ 112) verständigen.
  4. Ihr Baby saugt nicht korrekt:
    Das könnte daran liegen, dass Ihr Baby einen Schnuller oder abwechselnd Brust/Flasche bekommt. Durch die verschiedenen Medien könnte ihr Baby eine sogenannte “Saugverwirrung” haben.
    ✔ Das Problem kann durch eine Verbesserung der Technik behoben werden. Die richtige Technik kann Ihnen Ihre Nachsorgehebamme oder IBCLC-Stillberaterin zeigen.
  5. Die Probleme sind beim Abpumpen entstanden:
    In diesem Fall könnte eine falsche Größe der Brusthaube oder falsches Halten des Abpumpsets die Probleme verursachen.
    ✔ Prüfen Sie zunächst anhand der Bedienungsanleitung, ob Sie die Brusthaube richtig ausgemessen haben und das Pumpset richtig anwenden. Sollten Sie sich unsicher sein, kann Ihnen Ihre Nachsorgehebamme oder IBCLC-Stillberaterin helfen.
  6. Sie haben Stress, Schmerzen, Verspannungen:
    Kein Wunder. Das geht den meisten Frauen auch so. Es hat sich in den letzten Tagen und Wochen ja auch viel getan – auch körperlich. Die ersten sechs bis acht Wochen heißen ja nicht umsonst “Wochenbett“.
    ❗ Wichtig für Sie: finden Sie Ruhe, erholen Sie sich! Reduzieren Sie unbedingt Besuche und Aktivitäten auf das Notwendige. Organisieren Sie sich Hilfe für den Haushalt.
    Ihre Krankenkasse zahlt eine Haushaltshilfe, soweit Ihnen wegen Schwangerschaft oder Entbindung die Weiterführung des Haushalts nicht möglich und eine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt nicht weiterführen kann. (§ 24h SGB V)
  7. Ein abgeklemmter Milchgang durch einen einschneidenden BH oder Tragegurt:
    Auch ein mechanisches Problem kann einen Milchstau verursachen.
    ✔ Überprüfen Sie Ihren Still-BH und achten Sie bei den Gurten Ihrer Babytrage darauf, dass sie korrekt sitzen und die Brust nicht einengen.
  8. Ein verstopfter Milchkanal:
    In einigen Fällen sieht man einen kleinen, hellen Punkt auf der Brustwarze. Wenn Sie dahinter einen gestauten Strang tasten, kann das ein Hinweis auf einen verstopften Milchkanal sein.
    ✔Hier ist es hilfreich, vor dem Stillen eine feuchte, warme Kompresse aufzulegen. Beim anschließenden Stillen öffnet sich das Häutchen häufig ohne weiteres Zutun.
    Ein (mechanisches) Eröffnen des Häutchens sollte nur unter sterilen Bedingungen von einer Fachperson durchgeführt werden. In einem solchen Fall sollten Sie zeitnah einen Termin bei einem Frauenarzt vereinbaren oder sich an eine Klinik mit einer Geburtshilfe/Gynäkologie wenden.

Welche weiteren Maßnahmen sind sinnvoll?

Haben Sie die Ursache für den Milchstau gefunden? Prima! Dann sind Sie schon einmal einen ganzen Schritt weiter. Jetzt geht es darum zügig zu handeln, damit aus dem Milchstau keine Brustentzündung wird. Dabei können Sie die nachfolgenden Tipps unterstützen.

Hilfe bei Brustenzündung und Milchstau: Baby wird im Vierfüßlerstand gestillt
Foto von Mothering Touch (CC-BY 2.0)
  • Vor dem Anlegen für einige Minuten feuchte Wärme aufbringen.
  • Das Baby so anlegen, dass sein Kinn in Richtung der gestauten Stelle zeigt. Wenn die betroffenen Stelle im oberen Bereich liegt, kann das Anlegen im sogenannten “Vierfüsslerstand” (Foto) helfen.
  • Wenn die Brust nach dem Stillen nicht weich wird, dann sollten Sie nach dem Stillen noch Milch von Hand gewinnen.
  • Nach dem Stillen können Umschläge mit Weißkohlblättern kühlen und die Situation entspannen.

Mit diesen Maßnahmen sollten sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden deutlich verbessern. Sollte das nicht der Fall sein oder sogar eine Verschlechterung eintreten, dann nehmen Sie bitte Kontakt zu einer Fachperson (Still- und Laktationsberaterin, Hebamme) oder Ihrem Arzt auf.

Die Brustentzündung (Mastitis)

Den meisten Brustentzündungen, Mastitis genannt, geht ein Stau voraus oder es sind infolge einer wunden Brustwarze Keime eingewandert.

Die Symptome sind ähnlich, wie beim Milchstau. Dazu kommt, dass Sie erhöhte Temperatur (über 38,4 °C) haben und sich fühlen, als ob sie Grippe bekämen. Es können jetzt auch Schüttelfrost, Übelkeit, Kopfschmerzen auftreten.

Wenn das auf Sie zutrifft, sollten Sie schnell handeln und keine Zeit mehr verlieren.

Welche Maßnahmen helfen bei Brustentzündung?

Alle Maßnahmen, die zur Therapie des Milchstaus aufgezählt sind gelten auch für die Brustentzündung. Für die Behandlung von Brustentzündungen in der Stillzeit gibt es medizinische Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) die von vielen nationalen wie internationalen Organisationen (auch IBCLC) anerkannt werden. Bis Ende 2021 sollten die Leitlinien überarbeitet und angepasst werden. Nach der gültigen Leitlinie wird meistens die Einnahme eines Antibiotikums vorgesehen. Ihr Arzt kann Ihnen ein mit dem Stillen vereinbares Antibiotikum verordnen.

Wenn Sie starke Schmerzen haben, können Sie nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker auch Schmerzmittel einnehmen. Mittel der Wahl ist in der Regel Ibuprofen, das in der Stillzeit recht gut erprobt ist und dessen Einnahme als unbedenklich gilt. Der schmerzstillende Effekt kann auch dabei helfen, Ihren Milchspenderreflex wieder leichter auslösen zu können, der durch Schmerz und Stress blockiert ist.

❗ Gerade bei der Brustentzündung ist Bettruhe und Hilfe im Haushalt ganz besonders wichtig.

Der Sonderfall: Soormastitis

Eine besondere Form der Brustentzündung ist die sogenannte Soormastitis, eine Pilzinfektion der Brust.

Bezeichnend dafür sind neben all den anderen Symptomen einer Brustentzündung stechende, brennende Schmerzen in der Brust. Eine Still- und Laktationsberaterin kann Ihnen helfen, herauszufinden, ob es sich in Ihrem Fall darum handelt. Die Soormastitis kann medikamentös behandelt werden und auch in diesem speziellen Fall sollten Sie unbedingt weiter stillen.

Und jetzt? Abstillen?

Es ist verständlich, wenn Sie in dieser Situation an Abstillen denken. Schmerz, Fieber und Stress – alles wird gerade zu viel! Aber…!

Abzustillen wäre aber das Ungünstigste in dieser Situation, weil die Entleerung der Brust den wichtigsten Teil der Therapie darstellt. Wenn die Brust in dieser Situation nicht oder unzureichend geleert wird, besteht die Gefahr, dass sich ein Abszess entwickelt. Sie sollten nie in einer Krisensituation abstillen. Manch eine Mutter tut das und bereut es hinterher bitterlich. Abstillen können Sie später, nach einer Akutbehandlung immer noch.

Ich habe langjährige Erfahrung in der Betreuung von schwierigen Stillbeziehungen und kann Ihnen viele Alternativen zeigen und freue mich auf Ihren Anruf oder Ihre online Terminvereinbarung. Sollten Sie sich trotzdem für das Abstillen entscheiden, helfe ich Ihnen dabei, dass Sie und ihr Kind den Übergang gut meistern können.

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