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Schmerzende und wunde Brustwarzen sind vor allen Dingen zu Beginn der Stillzeit ein sehr häufiges Problem. Nicht selten sind sie ein Grund für vorzeitiges Abstillen des Babys. Wunde Brustwarzen tun nicht nur höllisch weh, sondern sie können auch eine Eintrittspforte für Keime sein, die zur Brustentzündung führen können.

Wenn die Brustwarzen über längere Zeit schmerzen und weh tun, kann das sogar bis zur Depression führen. Schmerzen beim Stillen über einen langen Zeitraum erschwert den Müttern manchmal auch eine gute Bindung zu ihrem Kind aufzubauen.

Aus diesem Grund möchte ich dieses Thema einmal näher beleuchten, Hintergründe zeigen und Tipps und Tricks zur Lösung geben.

Erste Hilfe gegen wunde Brustwarzen
Foto von Nombre_Genérico (CC-BY 2.0)

Woher kommen wunde Brustwarzen?

Anlegetechnik verbessern

Die häufigste Ursache ist eine falsche Anlegetechnik. Wenn das Baby den Mund nicht weit genug öffnet und nicht genug Brustgewebe erfassen kann oder das Baby an der Brust “hängt”. Das korrekte Anlegen ist das “A” und “O” des Stillens.

Seien Sie geduldig beim Anlegen, lassen Sie Ihrem Baby Zeit. In den meisten Fällen findet Ihr Baby die Brust von alleine und zum richtigen Zeitpunkt kann es den Mund weit öffnen und wird anfangen zu saugen.

Bei der professionellen Stillberatung wird die Anlegetechnik sorgfältig überprüft und gegebenenfalls optimiert.

Das Saugverhalten des Babys als Ursache

Manchmal ist aber auch eine falsche Saugtechnik des Babys das Problem. Ausgelöst kann so etwas zum Beispiel durch zu frühe Verwendung eines Schnullers oder eines Flaschensaugers werden.

Künstliche Sauger sollten Sie erst nach sechs bis acht Wochen einführen. Bei einer persönlichen Beratung kann das Saugverhalten Ihres Babys untersucht und durch ein spezielles Training eventuell korrigiert werden.

Wie kann man wunde Brustwarzen behandeln?

Tipp 1: Die korrekte Stillposition

Das Allerwichtigste bei wunden Brustwarzen ist die korrekte Stillposition.

  1. Ziehen Sie, wann immer es möglich ist, Ihr Baby zumindest am Oberkörper aus. Bringen Sie es in Hautkontakt.
  2. Legen Sie es auf Ihren zurückgelehnten Oberkörper und achten Sie darauf, dass Mund und Nase des Babys in Höhe Ihrer Brustwarze sind. Das Baby soll auf keinen Fall an der Brust “hängen”.
  3. Lassen Sie Ihr Baby an der Brustwarze schnuppern, dann findet es die richtige Stelle leichter. Gerne können Sie ein kleines “Appetithäppchen” von Hand gewinnen und Ihr Baby daran lecken lassen, das macht Lust auf mehr.
  4. Ihr Baby soll den Mund weit öffnen, wenn es ansaugt, damit möglichst viel Brustgewebe in den Mund kommt. Die Lippen sollen ausgestülpt sein. Ohr, Schulter und Hüfte des Babys sollen eine Linie ergeben, das heißt, es ist nichts verdreht. Sehr hilfreich kann dazu ein festes, fixierbares Stillkissen sein, welches Ihr Baby in guter Position liegen lässt und Ihre Nacken und Armmuskulatur entlastet.
  5. Wenn das Baby ansaugt, macht es erst schnelle Saugbewegungen, damit löst es den Milchspenderreflex aus. Dieses Ansaugen wird in den ersten Tagen, vor allem bei wunden Brustwarzen, oft als unangenehm empfunden.
  6. Sobald die Milch anfängt zu fließen, sollte es besser werden. Das Baby sollte so oft es möchte und so lange es möchte stillen. Wenn Sie Ihr Baby von der Brust lösen wollen, achten Sie bitte darauf, dass Sie mit Ihrem Finger zwischen die Ober- und Unterkieferleiste gehen und so das Baby sanft ablösen.
  7. Die Brustwarze sollte nach dem Stillen nicht verformt aussehen.

Tipp 2: Hygiene, Hygiene, Hygiene

Ganz besonders wichtig ist die Hygiene. Bitte fassen Sie eine wunde Brustwarze nur mit sauberen Fingern an und verwenden Sie am besten Einwegstilleinlagen, damit keine Keime an die wunde Stelle kommen.

Tipp 3: Muttermilch für wunde Brustwarzen

Das beste Heilmittel für wunde Brustwarze ist in vielen Fällen Muttermilch. Sie enthält Bakterienwachstums hemmende und heilende Faktoren.

Die Muttermilch kann nach der Stillmahlzeit von Hand gewonnen werden und sollte mit einem sauberen Finger an der Brustwarze verteilt werden und angetrocknet lassen werden. Das bietet einen Schutzfilm für die wunde oder gereizte Mamille.

Tipp 4: Luft und Licht

Es tut der gereizten oder wunden Brustwarze gut, wenn Sie häufig Luft und Licht ausgesetzt ist. Ziehen Sie des Öfteren ihren Still-BH aus und lassen Sie Ihre Brustwarzen an der Luft baden.

Tipp 5: Salben und Auflagen

Natürlich gibt es auch diverse Salben und Auflagen, die im Handel erhältlich sind, aber die Verwendung sollten Sie mit der Stillberaterin oder Hebamme absprechen.

Tipp 6: Hohllagerung der Brustwarze

Häufig wird es als angenehm und hilfreich empfunden, wenn jeglicher Druck und Reibung vermieden wird. Das kann man erreichen, indem man die Brustwarze hohl lagert. Das kann durch sogenannte “Brustwarzenschoner”, industriell hergestellte Brustringe oder auch durch selbstgebastelte “Wiener Brust-Donuts” ermöglicht werden.

Tipp 7: Der richtige Still-BH

Denken Sie daran: auch ein ungeeigneter Still-BH kann Probleme verursachen. Es sollten keine Nähte im Cupbereich verlaufen. Der Still-BH sollte auch die richtige Größe haben. Wenn er zu groß ist, führt das unter Umständen zu Reibung an der Brustwarze, wenn er zu klein ist, kann Druck auf die Brustwarze ein Problem verursachen. Vor allen Dingen sollten Sie, sofern Sie Sport treiben, einen sehr gut sitzenden Sport-BH tragen, sonst kann es zum Phänomen der “Joggerwarze” kommen.

Tipp 8: Stillhüte können zum Problem werden

Stillhüte sind keine Hilfe bei wunden Brustwarzen, im Gegenteil: Sie können noch zusätzliche Verletzungen machen, zum Beispiel, wenn die falsche Größe verwendet wird. Sie beseitigen auch nicht die Ursachen für die wunden Brustwarzen und können zu einer Verringerung Ihrer Milchproduktion führen

Tipp 9: Vorsicht bei ungeeigneten Tipps

In einigen Fällen können auch sogenannte Abhärtungsmaßnahmen noch vor der Geburt oder ungeeignete Pflegeprodukte schuld an den wunden Brustwarzen sein.

Tipp 10: Professionelle Stillberatung

Sollten Sie Beschwerden an der Brustwarze haben, sollten Sie nicht zu lange zögern, sich Unterstützung zu holen. Je länger die Probleme bestehen, umso schwieriger kann sich die Lösung gestalten. Schmerzen beim Stillen sollten sich keinesfalls langfristig in das Schmerzgedächtnis einprägen.

Was ist die beste Vorbereitung auf das Stillen?

Vorbereitung des Körpers

Ihre Brüste brauchen keine Vorbereitung auf das Stillen, die bereiten sich ganz von alleine darauf vor. Die sogenannten Montgomerydrüsen auf Ihrem Brustwarenvorhof sondern ein Sekret ab, welches die Brustwarze pflegt und elastisch hält und den pH-Wert so verändert, dass sich Bifidusbakterien wohlfühlen, denn die braucht das Baby nach der Geburt, damit sich schnell die Darmflora aufbauen kann. Außerdem beinhaltet dieses Sekret sogenannte Pheromone, das sind Duftstoffe, die Ihr Baby sozusagen an die Brust locken.

Reinigung der Brust

Sie sollten den pigmentierten Bereich Ihrer Brust nicht mit Seife, Duschgel oder gar mit speziellen Brustreinigungstücher, die inzwischen im Drogeriemarkt angeboten werden, reinigen. Waschen Sie die Brust möglichst nur mit Wasser und verwenden Sie im pigmentierten Bereich möglichst keine Cremes, Öle oder sonstiges.

Techniken lernen

Die beste Vorbereitung auf das Stillen ist sich gutes und fachlich fundiertes Basiswissen darüber zu verschaffen. Das sollen Sie unbedingt schon in der Schwangerschaft tun.

In sogenannten Stillvorbereitungskursen erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um erfolgreich zu stillen und Stillprobleme zu vermeiden. Sie sollten bedenken, dass auch die Geburt eine Rolle beim Stillen spielt.

Der beste Start in die Stillzeit ist sicher die natürliche Geburt. Leider ist das aber nicht immer möglich.

In den Stillvorbereitungskursen erfahren Sie auch, wie man trotz Kaiserschnitt gut in das Stillen kommt, zum Beispiel durch häufigeres Anlegen des Babys.

Studien zum Thema

  • McClellan HL et al, Breastfeeding frequency, milk volume, and duration in mother-infant dyads with persistent nipple pain, Breastfeed Med. 2012 Aug; 7:275-81.
  • McClellan HL et al, Nipple pain during breastfeeding with or without visible trauma, J Hum Lact. 2012 Nov; 28(4):511-21.

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