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Ist eine Corona-Impfung wÀhrend der Stillzeit möglich und sinnvoll? Diese Frage stellen sich aktuell viele Frauen, weshalb nachfolgend der aktuelle Kenntnisstand aufgegriffen und bei neuer Sachlage um die aktuellen Empfehlungen ergÀnzt wird.
Dieser Beitrag kann Ihnen die Entscheidung nicht abnehmen. Er soll Ihnen aber die Möglichkeit geben, dass Sie die im Einzelfall fĂŒr Sie und Ihr Kind richtige Entscheidung treffen können. Diesen Beitrag habe ich zuletzt am 07.05.2021 aktualisiert.

Hintergrund

Leider gibt es derzeit noch keine klinischen Daten zur Verwendung von COVID-19-mRNA-Impfstoffen in der Stillzeit. Das liegt daran, dass neue Impfstoffe aus ethischen GrĂŒnden anfangs kaum an Schwangeren, Stillenden und Kindern erprobt werden. In den ersten Studien erhielten nur 6 Schwangere den Moderna-Impfstoff und 12 Schwangere den Pfizer/ BioNTech-Impfstoff. VorlĂ€ufige Daten zeigen keine schĂ€dlichen Auswirkungen auf den Fötus.

Seit Ende Februar 2021 wird in einer gezielten Phase-II/III-Studie die Wirkung der BioNTech/Pfizer mRNA Impfung an 4.000 gesunden Schwangeren klinisch getestet. Ende MĂ€rz gab Moderna bekannt, dass in einer Studie die Wirkung des mRNA Impfstoffs bei 6.750 Kindern zwischen 6 Monaten und 11 Jahren getestet werden soll. Bereits Ende 2020 liefen Studien mit Kindern ĂŒber 12 Jahren. Deren Ergebnisse sind aber noch nicht publiziert.

Corona Impfstoffe

Derzeit sind Impfstoffe mit zwei verschiedenen Wirkungsmechanismen zugelassen. Zum einen neuartige mRNA Impfstoffe und zum anderen bereits bei anderen Erkrankungen eingesetzte Vektorimpfstoffe.

MRNA Impfstoff

MRNA-Impfstoffe (messenger-RNA, bzw. BotenribonukleinsĂ€ure) stellen aus technischer Sicht vermutlich kein Risiko fĂŒr den SĂ€ugling dar. Zum einen handelt es sich nicht um einen Lebendimpfstoff und zum anderen setzt die mRNA ihre Information zwar in der Zelle frei – ein Zellkerneintritt (und eine VerĂ€nderung der dortigen DNA) findet aber nicht statt.

Corona Impfung in der Stillzeit (Covid-19)?
Wirkung (vereinfacht) eines mRNA Impfstoffs. Eigene Werk nach https://www.nature.com/articles/d41586-020-01221-y

Der Impfstoff besteht aus einer biochemisch hergestellten mRNA ❶, die Bauanleitung fĂŒr das SARS-CoV-2-Spike Protein. Dieses Protein ist charakteristisch fĂŒr das SARS-CoV-2 Virus. Die mRNA wird in kleinste Fettpartikel, sogenannte Lipidnanopartikel, eingebaut und in den Muskel injiziert. Dort werden sie ❷ von den Muskelzellen aufgenommen. Die Zellen stellen nun ❞ das Spike-Protein des Coronavirus her. Zuletzt wird dieses Protein vom âč Immunsystem erkannt, gespeichert und hilft dabei, dass das Immunsystem der geimpften Person bei einer tatsĂ€chlichen Infektion mit dem Coronavirus schnell Antikörper bilden kann.

Lipidnanopartikel in mRNA Impfstoffen

Die mRNA Impfstoffe enthalten wenig pharmazeutische Hilfsstoffe. Ein wichtiger Hilfsstoff sind Lipidnanopartikel (kleinste Fettpartikel) die fĂŒr die StabilitĂ€t und bessere Aufnahme des Vakzins sorgen. Sie bestehen aus körperĂ€hnlichen Stoffen und sind zudem schon seit langem Gegenstand der Forschung und gelten als völlig ungefĂ€hrlich. In den Impfstoffen sind auch pegylierte Lipide enthalten. Diese haben ein geringes Allergiepotential, was Berichte von seltenen allergischen Reaktionen nach einer Impfung erklĂ€rt. Über das (kleine) Risiko klĂ€rt der Arzt vor der Untersuchung auf. Zu den Lipidnanopartikeln finden Sie einen guten Beitrag bei PTA Online.

Vektorimpfstoff

Als Virale Vektoren werden gezielt verĂ€nderte Viruspartikel bezeichnet, die in der Gentechnik dafĂŒr verwendet werden, genetisches Material in Zielzellen zu schleusen. Diese Technik wird seit den 1970er Jahren in der Medizin eingesetzt. Seit den 2000er Jahren wurden Vektoren auch auf die Wirksamkeit und VertrĂ€glichkeit in Impfungen gegen HIV, Ebola, Malaria, Influenza, Tuberkulose und Krebs in Studien untersucht. Eine Zulassung haben bisher nur ein Impfstoff gegen das Denguefieber und gegen Ebola erhalten.

Corona Impfung Vektorimpfstoff (Astrazenca Janssen)
Wirkung (vereinfacht) eines Vektorimpfstoffs. Eigenes Werk nach https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vektorviren-als-plattform-118262/

Bei den Corona-Impfstoffen wird ❶ das Spikegen des SARS-CoV2 Virus in ein TrĂ€gervirus (Vektor) eingesetzt. Als TrĂ€ger wird z.B. ein Schimpansen-Adenovirus verwendet, da das Immunsystem von EuropĂ€ern gegen dieses in der Regel keine Antikörper hat. ❷ Das ĂŒbrige Genom des Adenovirus wird manipuliert damit es nicht selbst wirken kann. Nach der Impfung ❞ werden Körperzellen zur Bildung des Coronavirus-Proteins angeregt âčâș. Dabei vermehren sich nicht replizierende Vektoren (bei den wichtigen Covid-19 Impfstoffen verwendet) nicht im Körper des Geimpften. Anschließend löst das Coronavirus-Protein eine Immunantwort aus.

⚠ Wichtig

Da seit dem 21.04.21 auch wieder unter 60-JĂ€hrige, nach einer Ă€rztlichen Beratung, eine Impfung mit Astrazeneca erhalten können, kann die Frage auch fĂŒr Stillende wieder eine Rolle spielen.
Das Auftreten von thrombotischen Ereignissen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung von Vektorimpfstoffen sollte bei einer Impfentscheidung von Stillenden mit möglichen Vorteilen besonders kritisch und sorgfÀltig abgewogen werden.

Wichtige Impfstoffe

Die Zahl der Impfstoffe die derzeit in der Erprobung sind, bzw. in anderen LĂ€ndern zugelassen wurden, ist groß. Nachfolgend möchte ich auf die in Deutschland derzeit relevanten Impfstoffe eingehen, die zunĂ€chst von der EuropĂ€ischen Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen und der EuropĂ€ischen Kommission freigegeben werden mĂŒssen. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) fĂŒr die Freigabe und die Überwachung der QualitĂ€t, Wirksamkeit und Sicherheit verantwortlich.

Hersteller/ ImpfstoffBesonderheiten in der Stillzeit
ComirnatyÂź BNT162b2 (BioNTech/Pfizer)

mRNA / ab 16 J.
Es ist nicht bekannt, ob der Impfstoff in die Muttermilch ĂŒbergeht. (11.01.21)
Reservierung 100,7 Mio* Dosen.
COVID-19 Vaccine ModernaÂź mRNA-1273

mRNA / ab 18 J.
Es ist nicht bekannt, ob mRNA-1273 in die Muttermilch ĂŒbergeht. (23.01.21)
Reservierung mind. 78 Mio* Dosen.
Vaxzevria (AstraZeneca)
frĂŒher: COVID-19 Vaccine/ AZD1222

⚠ Vektor / ab 60 J. (seit 30.03.21)
unter 60 mit Àrztlicher Beratung (21.04.21)
VorlÀufige Tierstudien weisen nicht auf direkte oder indirekte schÀdliche Auswirkungen in Bezug auf [
] postnatale Entwicklung hin. Tierversuche sind noch nicht abgeschlossen. (30.01.21)
Reservierung 56,3 Mio* Dosen.

Nach einem Moratorium wurden ab 18.03.21 Impfungen mit dem AstraZeneka Wirkstoff wieder freigegeben. Fragen dazu beantwortet das Bundesgesundheitsministerium auf einer eigenen FAQ Seite. Seit Ende MĂ€rz wird der Impfstoff von der STIKO grundsĂ€tzlich fĂŒr ĂŒber 60-JĂ€hrige empfohlen. Eine Impfung fĂŒr jĂŒngere Patienten ist nach STIKO nach einer Ă€rztlichen Beratung möglich.
⚠ Geimpfte die nach ĂŒber 4 Tagen Unwohlsein oder Hauteinblutungen haben, sollen umgehend einen Arzt kontaktieren oder 112 anrufen. ⚠
ACOVID-19 Vaccine Janssen (Janssen/ Johnson & Johnson)
frĂŒher: Ad26.COV2.S

⚠ Vektor/ Einmalimpfung/ ab 18 J.
Es sind keine Daten verfĂŒgbar, um die Auswirkungen des Janssen COVID-19-Impfstoffs auf das gestillte Kind oder auf die Milchproduktion / -ausscheidung zu bewerten (11.03.21)
Der Wirkstoff von Johnson & Johnson wurde von MĂ€rz bis 13.04.21 nur in den USA eingesetzt.
⚠ Meldungen aus den USA von Blutgerinseln im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung werden derzeit vom Ausschuss fĂŒr Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der EMA geprĂŒft. Die Auslieferung in Europa wurde deshalb vom Hersteller zunĂ€chst gestoppt und ab dem 20.04.21 nach Freigabe durch die EMA wieder fortgesetzt.
Reservierung 36,7 Mio* Dosen.
CVnCoV (CureVac/ Bayer)
mRNA
Zulassungsverfahren gestartet/ Roling Review (12.02.21); FrĂŒhestens ab Q2/21.
Reservierung 24,5 Mio* Dosen.
NVX-CoV2373 (Novavax CZ AS)
Protein
Zulassungsverfahren gestartet/ Roling Review (03.02.21)
Sputnik V (Gam-COVID-Vac)
⚠ Vektor
Zulassungsverfahren gestartet/ Roling Review (04.03.21)
Sanofi/ GSK
Protein
FrĂŒhestens Ende 21.
Reservierung 27,5 Mio* Dosen.
IDT Biologika/ LMU MĂŒnchen
⚠ Vektor
unbekannt.
Relevante Impfstoffe; Angaben ohne GewÀhr. *) Reservierungen vgl. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Impfstoff/Lieferprognosen_verschiedene_Hersteller_2021.pdf vom 22.03.21

Wie ist die “schnelle” Impfstoffentwicklung einzuordnen?

Durch die Pandemie rĂŒckte die Thematik mRNA-Impfstoff in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Die Grundlagenforschung liegt aber bereits Jahrzehnte zurĂŒck. Seit den 1990er Jahren forschte die ungarische Biochemikerin Katalin KarikĂł und leitende Angestellte von BioNTech an der Entwicklung von Impfstoffen auf mRNA Basis. Die Medikamente sollten allerdings bei Krebs- oder Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Seit den 2010er Jahren forscht Curevac an einer Nutzung von mRNA fĂŒr Influenza Impfungen. Durch die Pandemie wurde die Technik dieser Forschung auf die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs ĂŒbertragen.

GrundsĂ€tzlich dauert die Entwicklung von Impfstoffen Jahre – ebenso die Zulassungsverfahren. Das Paul-Ehrlich Institut gibt die regelmĂ€ĂŸige Verfahrensdauer mit 62 Tagen (vgl. Antwort 7) an. Allerdings war in diesem Fall der gesellschaftliche und politische Druck so hoch, dass Zulassungsschritte parallel durchgefĂŒhrt wurden. Im Rahmen des eingesetzten Rolling Review Verfahrens wurden die Studienergebnisse fortlaufend an die Zulassungsbehörden ĂŒbermittelt und von diesen geprĂŒft. Dadurch konnten unnötige Verzögerungen und Wartezeiten bei der Zulassung vermieden werden. Der BioNTech Impfstoff wurde am 21.12.20 von der EU Kommission zugelassen und die Chargenfreigabe von Paul-Ehrlich-Institut am 23.12.20 erteilt.

Bei der Betrachtung der Studienergebnisse muss auch die Zahl der Probanden mit einbezogen werden. In der Regel finden Phase-III-Studien an gesunden Menschen mit ca. 10.000 Probanden statt.

Die Coronaimpfstoffe wurde mit grĂ¶ĂŸeren Probandengruppen in den Phase-III-Studien getestet:

  • Der BioNTech/Pfizer mRNA-Impfstoff wurde mit 43.500 Probanden ab 16 Jahren in weltweit 152 Studienzentren (USA, Argentinien, Brasilien, SĂŒdafrika, Deutschland, TĂŒrkei) getestet.
  • Der Moderna mRNA-Impfstoff wurde an 30.420 Probanden in den USA getestet. Beide Vakzine wurden damit in großen Studien auf Wirkung und Nebenwirkungen ĂŒberprĂŒft.
  • Der Astra/Zeneca Vektor-Impfstoff wurde an 17.177 Probanden in Großbritannien, Brasilien und SĂŒdafrika getestet.
  • Der Janssen/Johnson & Johnson Vektor-Impfstoff wurde an 43.783 Probanden aus verschiedenen Regionen getestet.

Trotz aller Sorgfalt handelt es sich um eine neue Technik und einen neuen Impfstoff. Es gibt damit keine Langzeiterfahrungen und Erfahrungen bei besonderen Personengruppen wie Kindern, Schwangeren und Stillenden.

Schwangerschaft

Aus den Erfahrungen mit geimpften schwangeren Frauen kann zwischenzeitlich festgestellt werden, dass eine Impfung mit mRNA Impfstoffen zu keiner signifikanten Erhöhung kindlicher SchĂ€digungen oder Aborten fĂŒhrte. Da Impfungen erst seit Jahreswechsel durchgefĂŒhrt werden, ist aber zu bedenken, dass sich die Erfahrungen vor allem auf das letzte Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) stĂŒtzen. Aus diesem Grund stehen die internationalen Fachgesellschaften einer Impfung von Schwangeren im zweiten und dritten Trimenon positiv gegenĂŒber.

Den internationalen Empfehlungen haben sich auch 11 deutsche Fachgesellschaften, die im German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) vereint sind, angeschlossen. In der Anfang Mai 2021 veröffentlichten Stellungnahme der GBCOG wird nach informierter partizipativer Entscheidungsfindung (AufklĂ€rung und Beratung der MĂŒtter) und nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen (durch einen Arzt) empfohlen, schwangere Frauen priorisiert mit mRNA-basiertem Impfstoff gegen COVID-19 zu impfen.

Stillzeit

Auch wenn in Pressemeldungen die Impfung von Schwangeren und Stillenden im Zusammenhang genannt wird, ist eine Übertragung der Erfahrung von schwangeren auf stillende Frauen nicht ohne weiteres möglich.

WĂ€hrend der Stillzeit ist es nach derzeitigen Erkenntnissen unwahrscheinlich, dass fĂŒr das gestillte Kind ein Risiko durch die Impfung besteht, eher ein biologisch plausibler Nutzen. Soweit bekannt ist, können damit grundsĂ€tzlich auch Schwangere und Stillende mit den derzeit verwendeten Corona mRNA-Impfstoffen von Pfizer/ Biontec und Moderna geimpft werden, wenn eine Risikolage fĂŒr die Mutter besteht.

Aus den Erfahrungen mit bisherigen Impfungen könnte ein weiterer Effekt eine Rolle spielen. So ist bekannt, dass bei Impfungen eine passive Immunisierung (Nestschutz) des gestillten Babys möglich ist, da durch den Impfstoff stimulierte Antikörper und T-Zellen der Mutter passiv ĂŒber die Milch auf das Kind ĂŒbertragen werden. In einem Anfang MĂ€rz 2021 veröffentlichten Preprint erbrachten amerikanische Forscher den Nachweis von Antikörpern in der Muttermilch mit einem mRNA Impfstoff geimpfter MĂŒtter ab dem siebten Tag.

Ende MĂ€rz wurde eine weitere Studie mit 58 stillenden MĂŒttern, die mit dem BioNTech/Pfizer Vakzin geimpft wurden im American Journal of Obstetrics & Gynecology veröffentlicht. Darin zeigte sich, dass zwischen 20 und 72 Tagen nach der ersten Dosis die Milchprobe in einem signifikanten Anstieg des Anti-Spike-Protein IgG enthielt. Die Spiegel an Anti-Spike-Protein-IgA konnten ab dem 14. Tag nachgewiesen werden und sanken nach der zweiten Dosis langsam ab. In vorangegangenen Studien zu Grippeimpfungen und Keuchhustenimpfungen zeigte sich, dass bis zu sechs Monate nach einer Impfung Antikörper in der Muttermilch nachgewiesen werden konnten und die damit gestillten Kinder seltener erkrankten. Die Forscher schließen daraus, dass ein Ă€hnlicher Effekt bei Corona Impfstoffen gegeben sein könnte.

Neben diesen positiven Ergebnissen muss darauf hingewiesen werden, dass Studien zum Übertritt von Lipidnanopartikeln aus den mRNA Impfstoffen in die Muttermilch und deren Wirkungen auf die gestillten Babys fehlen und das Risiko noch nicht bewertet werden kann. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte schĂ€dliche Wirkungen in Bezug auf Schwangerschaft, embryonale/fötale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung schließen. Ob es in der Folge ĂŒberhaupt zu einer Wirkung beim Kind kommen kann ist fraglich. Überwiegend stellen die Fachgesellschaften allerdings fest, dass es keinen Hinweis auf mögliche SchĂ€digungen gibt.

In der Anfang Mai 2021 veröffentlichten Stellungnahme der GBCOG wird nach informierter partizipativer Entscheidungsfindung (AufklĂ€rung und Beratung der MĂŒtter) und nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen (durch einen Arzt) empfohlen, auch stillende Frauen priorisiert mit mRNA-basiertem Impfstoff gegen COVID-19 zu impfen. Das bedeutet, dass insbesondere Frauen mit einem Risikoprofil von einer Impfung profitieren können.

Die Empfehlung ist aber nicht zwingend. Stillende MĂŒtter ohne ein Risikoprofil können auch weitere Studien abwarten. Familien die abwarten sollten aber ĂŒberlegen ob Kontaktpersonen, nicht stillende Lebenspartner und Großeltern, geimpft werden können. Auch sollten sie sich zum Schutz von stillender Mutter und Kind ein persönliches Vorsorgekonzept ĂŒberlegen.

Empfehlungen der Fachgesellschaften

InstitutionLand/
Empf-ehlung
Kernaussagen
StÀndige Impfkommission (Robert-Koch-Institut RKI)D
👍👎
Unzureichende Datenlage; “Die STIKO hĂ€lt es fĂŒr unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter wĂ€hrend der Stillzeit ein Risiko fĂŒr den SĂ€ugling darstellt.” Keine generelle Empfehlung; AbwĂ€gung bei Risikogruppen. (01.04.21)
German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG)D
👍
In informierter partizipativer Entscheidungsfindung und nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen wird empfohlen, schwangere und stillende Frauen priorisiert mit mRNA-basiertem Impfstoff gegen COVID-19 zu impfen. (Anfang Mai 21)
European Medicines Agency (EMA)EU
👍
“Obwohl es keine Studien zum Stillen gibt, wird kein Risiko fĂŒr das Stillen erwartet.
Die Entscheidung ĂŒber die Anwendung des Impfstoffs bei schwangeren Frauen sollte nach AbwĂ€gung der Vorteile und Risiken in enger Absprache mit einem medizinischen Fachpersonal getroffen werden.” (07.05.21)
Centers for Disease Control and Prevention (CDC)USA
👍
“Aufgrund der Wirkungsweise dieser Impfstoffe im Körper wird angenommen, dass COVID-19-Impfstoffe kein Risiko fĂŒr stillende Menschen oder ihre stillenden Babys darstellen.
Daher können stillende Menschen einen COVID-19-Impfstoff erhalten. JĂŒngste Berichte haben gezeigt, dass stillende Menschen, die COVID-19-mRNA-Impfstoffe erhalten haben, Antikörper in der Muttermilch haben, die zum Schutz ihrer Babys beitragen könnten. Weitere Daten sind erforderlich, um festzustellen, welchen Schutz diese Antikörper fĂŒr das Baby bieten können.” (28.04.21)
Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA)UK
👍
“Das Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) hat empfohlen, dass die Impfstoffe wĂ€hrend des Stillens erhalten werden können. Dies steht im Einklang mit Empfehlungen der USA und der Weltgesundheitsorganisation.” (23.04.21)
Weltgesundheits-organisation (WHO)🌐
👍👎
Moderna/ mRNA-Impfstoff: “The vaccine can be offered to a breastfeeding woman who is part of a group recommended for vaccination (e.g. health workers); discontinuing breastfeeding after vaccination is currently not recommended.” (07.05.21)

Der Impfstoff [Moderna] kann einer stillenden Frau angeboten werden, die Teil einer fĂŒr die Impfung empfohlenen Gruppe ist (z. B. Gesundheitspersonal). Eine Beendigung der Stillbeziehung nach der Impfung wird derzeit nicht empfohlen.
Zusammenfassung der Kernaussagen ohne GewĂ€hr. Bei einer bevorstehenden Entscheidung können die aktuellen Aussagen ĂŒber die Links nachgelesen werden.

Wie Sie sehen gibt es von den Fachgesellschaften derzeit weder eine klare Impfempfehlung in der Stillzeit, noch ein Verbot. Grund dafĂŒr sind die fehlenden Langzeiterfahrungen. Die Gesellschaften haben aber keine Bedenken, wenn im Einzelfall die Situation der Mutter betrachtet und z.B. aufgrund eines Risikofaktors eine Impfung bejaht wird.

Risikofaktoren fĂŒr die Mutter

Bei diesen Erkrankungen können nach EinschĂ€tzung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Perinatale Medizin (DGPM), Deutschen Gesellschaft fĂŒr GynĂ€kologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Nationalen Stillkommission (NSK) die Vorteile einer Impfung fĂŒr die Mutter ein mögliches Risiko fĂŒr das Kind ĂŒberwiegen:

  • vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen/ HerzschwĂ€che
  • chronische Lungenerkrankun­gen (z. B. Asthma, chronische Bronchitis, COPD)
  • Au­­toimmunerkrankungen/ HIV/ Cortisonbehandlungen
  • Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus)
  • Bluthochdruck (ab 160 – 180 mmHg)
  • Fettleibigkeit (Body-Mass-Index > 30)
  • Behandlungen aufgrund von Krebserkrankungen

Fazit

Bei keinem anderen Medikament oder Impfung habe ich bisher so viele und so detaillierte Anfragen erhalten. Das ist verstÀndlich, weil das Virus SARS-CoV2, die Krankheit COVID-19 und die mRNA und Vektorimpfstoffe neu und relativ unbekannt sind. Zudem begleitet uns das Thema tÀglich.

Ob eine Corona-Impfung in der Stillzeit sinnvoll oder ratsam ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht grundsĂ€tzlich gesagt werden. Aufgrund der Problematik mit Vektorimpfstoffen wĂ€re nur noch eine Impfung mit einem mRNA Impfstoff denkbar. Allerdings sind sowohl die Erkrankung wie auch die Impfstoffe zu neu, bzw. die Studiendaten zu gering um allgemeingĂŒltige Aussagen treffen zu können. Es bleibt eine Einzellfallbetrachtung, die vom jeweiligen Risikoprofil der Mutter abhĂ€ngig ist.

Wenn eine Risikolage besteht, gibt es mit Ausnahme der allgemeinen Kontraindikationen bei der Mutter (z.B. Allergien gegen Inhaltsstoffe der Vakzine), keine grundsĂ€tzlichen Bedenken gegen eine Impfung. Schließlich mĂŒssen ja auch die Folgen einer Erkrankung und deren mögliche Langzeitfolgen mit abgewogen werden.

Bevor Sie aber aufgrund der Impfung Abstillen, oder wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, sollten Sie sich im Vorfeld genauer informieren und beraten lassen. Bei der Ermittlung des Risikoprofils und der Impfentscheidung kann Sie Ihr GynĂ€kologe, Ihr Hausarzt, Ihre Hebamme oder Ihre erfahrene (IBCLC) Stillberaterin unterstĂŒtzen.

Nachlese

Tipp

Die MerkblĂ€tter fĂŒr die Corona Impfung können Sie schon vorab und in mehreren Sprachen beim Robert-Koch-Institut abrufen und durchlesen:

In Bayern können sich Interessierte fĂŒr die Impfung beim Bayerischen Staatsministerium fĂŒr Gesundheit und Pflege unter https://impfzentren.bayern/ online registrieren.

15 Comments

    1. Hallo Jana,
      hier ein Link zum Nachlesen. Es ist im Moment sehr schwierig eine Empfehlung auszusprechen, da es noch nicht so sehr viele Zahlen dazu gibt. Wenn eine Stillende ein sehr hohes SicherheitsbedĂŒrfnis hat, kann eine individuelle Festlegung eines still-freien Zeitraums von 1 bis 3 Tagen nach der Impfung in ErwĂ€gung gezogen werden. Internationale Empfehlungen sehen hier jedoch keine Notwendigkeit fĂŒr die Verzögerung eines Stillbeginns, einer Stillunterbrechung oder des Abstillens.
      Hier noch einige Links:

      Ich hoffe, das Hilft Ihnen weiter.
      Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
      Ingrid Kloster

  1. Liebe Ingrid,
    vielen Dank fĂŒr diese sehr hilfreiche Zusammenfassung. Ich hĂ€tte nun einen
    Impftermin mit dem Biontec Impfstoff. Allerdings stille ich meine kleine Maus noch. Sie ist allerdings schon 24 Monate alt. MĂŒsste bei der Empfehlung fĂŒr Stillende nicht noch ein Unterschied gemacht werden zwischen Neugeborenen und Ă€lteren gestillten Kindern?

    1. Hallo Sandra,
      das ist absolut richtig.Ein zweijĂ€hriges Kind stillt meist nur noch geringe Mengen und ernĂ€hrt sich zu einem Großteil von Beikost.In diesem Alter ist das Stillen hĂ€ufig nur noch als Beruhigungs-oder Einschlafstrategie zu sehen, der ErnĂ€hrungsaspekt tritt dann hĂ€ufig in den Hintergrund.Ich denke auch, je Ă€lter das Kind ist, umso geringer wĂ€re das Risiko, sollte eines bestehen.
      Herzliche GrĂŒĂŸe Ingrid Kloster

    2. Hat Dir Dein Hausarzt oder FrauenĂ€rztin eine Empfehlung ausgesprochen? Ich wĂŒrde mich ja gerne impfen lassen und hĂ€tte grundsĂ€tzlich auch die Möglichkeit. Allerdings ist mein Hausarzt sehr vorsichtig und stellt mir die zur Impfung zwingend notwendige Bescheinigung nicht aus 🙁

  2. Vielen lieben Dank fĂŒr die sehr ausfĂŒhrliche Zusammenfassung des aktuellen Sachstands hierzu!

    Leider ist es wohl nicht ausreichend, sich durch einen Facharzt beraten/aufklĂ€ren zu lassen (wie bspw. bei Astrazeneca fĂŒr unter 60J.). Eine Empfehlung des Facharztes scheint zumindest hier zwingende Voraussetzung, um ĂŒberhaupt einen Impftermin zu erhalten 🙁 Oder habe ich irgendetwas ĂŒbersehen? Ratlose GrĂŒĂŸe…

  3. Liebe Stillberater es wĂ€re schön wenn sich wenigstens unsere Kontaktpersonen wie bei den Schwangeren auch bevorzugt Impfen lassen könnten. Vielleicht könnt ihr das Mal anstoßen. Den ich empfinde es im höchsten Maße diskriminierend und möchte nicht noch zusĂ€tzlich zu einer isolierten Schwangerschaft die ganze Elternzeit in Einsamkeit verbringen. Das macht etwas mit einem.
    Gruß Maria

    1. Du hast völlig Recht. Die Isolation nervt einfach nur. Nachdem die Impfprio im Juni wegfĂ€llt wird’s bald bessser 😅

  4. Hallo, 😊
    ich bin stillende Mutter einer 18 Monate alten Tochter, wĂŒrde mich gern gegen Covid 19 impfen lassen und habe die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr GynĂ€kologie und Geburtshilfe e. V. hinsichtlich einer Covid 19 Impfung gelesen. Dort werden die Lipidnanopartikel, die Teil eines mRNA Impfstoffes sind, nicht erwĂ€hnt. Nun bin ich mir unsicher, inwiefern diese in die Muttermilch ĂŒbergehen bzw. schĂ€digend fĂŒr mein Kind sind. Ich finde leider keine verlĂ€sslichen Quellen und wende mich daher an dich in der Hoffnung, dass du mir in dieser schwierigen Zeit durch weitere Informationen helfen kannst.
    Liebe GrĂŒĂŸe Christina

    1. Liebe Christina,
      ich verstehe die Sorgen und Nöte.

      Es gibt eine Pressemitteilung von DGGG und BVF vereint im GBCOG:

      Berlin, 4. Mai 2021 – In einem Update sprechen sich elf medizinische FachverbĂ€nde, darunter der Berufsverband der FrauenĂ€rzte e. V. (BVF), die Deutsche Gesellschaft fĂŒr GynĂ€kologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Perinatale Medizin e. V. (DGPM), die Deutsche Gesellschaft fĂŒr PrĂ€natal- und Geburtsmedizin e. V. (DGPGM) und die AG Geburtshilfe und PrĂ€natalmedizin in der DGGG e. V. (AGG) fĂŒr eine priorisierte COVID-19-Schutzimpfung fĂŒr schwangere und stillende Frauen mit einem mRNA-basiertem Impfstoff aus. Als Grundlage fĂŒr die Empfehlung haben die Autoren die verfĂŒgbare wissenschaftliche Literatur ausgewertet.
      Vielleicht hilft Dir der Link:
      https://www.babyfreundlich.org/fachkraefte.html

      Herzliche GrĂŒĂŸe Ingrid Kloster

      1. Vielen vielen Dank. Das habe ich auch schon gefunden. 😊
        Du schreibst ja oben von den Lipidnanopartikeln. Dazu finde ich in Bezug auf Kinder nirgendwo etwas, außer auf deiner Seite. Gibt es denn irgendwo Studien?

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