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Ist eine Corona-Impfung wÀhrend der Stillzeit möglich und sinnvoll? Diese Frage stellen sich aktuell viele Frauen, weshalb nachfolgend der aktuelle Kenntnisstand aufgegriffen und bei neuer Sachlage um die aktuellen Empfehlungen ergÀnzt wird.

Hintergrund

Leider gibt es derzeit noch keine klinischen Daten zur Verwendung von COVID-19-mRNA-Impfstoffen in der Stillzeit. Das liegt daran, dass neue Impfstoffe aus ethischen GrĂŒnden anfangs kaum an Schwangeren, Stillenden und Kindern erprobt werden. In den ersten Studien erhielten nur 6 Schwangere den Moderna-Impfstoff und 12 Schwangere den Pfizer/ BioNTech-Impfstoff. VorlĂ€ufige Daten zeigen keine schĂ€dlichen Auswirkungen auf den Fötus.

Seit Ende Februar 2021 wird in einer gezielten Phase-II/III-Studie die Wirkung der BioNTech/Pfizer mRNA Impfung an 4.000 gesunden Schwangeren klinisch getestet.

Corona Impfstoffe

Derzeit sind Impfstoffe mit zwei verschiedenen Wirkungsmechanismen zugelassen. Zum einen neuartige mRNA Impfstoffe und zum anderen bereits bei anderen Erkrankungen eingesetzte Vektorimpfstoffe.

MRNA Impfstoff

MRNA-Impfstoffe (messenger-RNA, bzw. BotenribonukleinsĂ€ure) stellen aus technischer Sicht vermutlich kein Risiko fĂŒr den SĂ€ugling dar. Zum einen handelt es sich nicht um einen Lebendimpfstoff und zum anderen setzt die mRNA ihre Information zwar in der Zelle frei – ein Zellkerneintritt (und eine VerĂ€nderung der dortigen DNA) findet aber nicht statt.

Corona Impfung in der Stillzeit (Covid-19)?
Wirkung (vereinfacht) eines mRNA Impfstoffs. Eigene Werk nach https://www.nature.com/articles/d41586-020-01221-y

Der Impfstoff besteht aus einer biochemisch hergestellten mRNA ❶, die Bauanleitung fĂŒr das SARS-CoV-2-Spike Protein. Dieses Protein ist charakteristisch fĂŒr das SARS-CoV-2 Virus. Die mRNA wird in kleinste Fettpartikel, sogenannte Lipidnanopartikel, eingebaut und in den Muskel injiziert. Dort werden sie ❷ von den Muskelzellen aufgenommen. Die Zellen stellen nun ❞ das Spike-Protein des Coronavirus her. Zuletzt wird dieses Protein vom âč Immunsystem erkannt, gespeichert und hilft dabei, dass das Immunsystem der geimpften Person bei einer tatsĂ€chlichen Infektion mit dem Coronavirus schnell Antikörper bilden kann.

Vektorimpfstoff

Als Virale Vektoren werden gezielt verĂ€nderte Viruspartikel bezeichnet, die in der Gentechnik dafĂŒr verwendet werden, genetisches Material in Zielzellen zu schleusen. Diese Technik wird seit den 1970er Jahren in der Medizin eingesetzt. Seit den 2000er Jahren wurden Vektoren auch auf die Wirksamkeit und VertrĂ€glichkeit in Impfungen gegen HIV, Ebola, Malaria, Influenza, Tuberkulose und Krebs in Studien untersucht. Eine Zulassung haben bisher nur ein Impfstoff gegen das Denguefieber und gegen Ebola erhalten.

Corona Impfung in der Stillzeit (Covid-19)?
Wirkung (vereinfacht) eines Vektorimpfstoffs. Eigenes Werk nach https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vektorviren-als-plattform-118262/

Bei den Corona-Impfstoffen wird ❶ das Spikegen des SARS-CoV2 Virus in ein TrĂ€gervirus (Vektor) eingesetzt. Als TrĂ€ger wird z.B. ein Schimpansen-Adenovirus verwendet, da das Immunsystem von EuropĂ€ern gegen dieses in der Regel keine Antikörper hat. ❷ Das ĂŒbrige Genom des Adenovirus wird manipuliert damit es nicht selbst wirken kann. Nach der Impfung ❞ werden Körperzellen zur Bildung des Coronavirus-Proteins angeregt âčâș. Dabei vermehren sich nicht replizierende Vektoren (bei den wichtigen Covid-19 Impfstoffen verwendet) nicht im Körper des Geimpften. Anschließend löst das Coronavirus-Protein eine Immunantwort aus.

Wichtige Impfstoffe

Die Zahl der Impfstoffe die derzeit in der Erprobung sind, bzw. in anderen LĂ€ndern zugelassen wurden, ist groß. Nachfolgend möchte ich auf die in Deutschland derzeit relevanten Impfstoffe eingehen:

Hersteller/ ImpfstoffBesonderheiten in der StillzeitReservierung Dosen (Mio)
ComirnatyÂź BNT162b2 (BioNTech/Pfizer)

mRNA; ab 16 J.
Es ist nicht bekannt, ob der Impfstoff in die Muttermilch ĂŒbergeht. (11.01.21)90
COVID-19 Vaccine ModernaÂź mRNA-1273

mRNA; ab 18 J.
Es ist nicht bekannt, ob mRNA-1273 in die Muttermilch ĂŒbergeht. (23.01.21)50
COVID-19 Vaccine AstraZeneca

Vektor; ab 18 J. (seit 04.03.21)
VorlÀufige Tierstudien weisen nicht auf direkte oder indirekte schÀdliche Auswirkungen in Bezug auf [
] postnatale Entwicklung hin. Tierversuche sind noch nicht abgeschlossen. (30.01.21)56
Ad26.COV2.S (Janssen/ Johnson & Johnson)

Vektor
Einmalimpfung; Zulassung bei der EMA beantragt. (16.02.21)37
CureVac/ Bayer

mRNA
Zulassungsverfahren gestartet/ Roling Review; FrĂŒhestens ab Q2/21.61
Sanofi/ GSK

Protein
FrĂŒhestens Ende 21.56
IDT Biologika/ LMU MĂŒnchen

Vektor
unbekannt5
Relevante Impfstoffe; Angaben ohne GewÀhr. Reservierungen vgl. https://www.aerztezeitung.de/Politik/Soviel-Corona-Impfstoff-hat-Deutschland-bislang-bestellt-416180.html

Verwendung in der Stillzeit

WĂ€hrend der Stillzeit ist es nach derzeitigen Erkenntnissen unwahrscheinlich, dass fĂŒr das gestillte Kind ein Risiko durch die Impfung besteht, eher ein biologisch plausibler Nutzen. Soweit bekannt ist, können damit grundsĂ€tzlich auch Schwangere und Stillende mit den derzeit verwendeten Corona mRNA-Impfstoffen von Pfizer/ Biontec und Moderna geimpft werden, wenn eine Risikolage fĂŒr die Mutter besteht.

Aus den Erfahrungen mit bisherigen Impfungen könnte ein weiterer Effekt eine Rolle spielen. So ist bekannt, dass bei Impfungen eine passive Immunisierung (Nestschutz) des gestillten Babys möglich ist, da durch den Impfstoff stimulierte Antikörper und T-Zellen der Mutter passiv ĂŒber die Milch auf das Kind ĂŒbertragen werden. In einem Anfang MĂ€rz 2021 veröffentlichten Preprint erbrachten amerikanische Forscher den Nachweis von Antikörpern in der Muttermilch mit einem mRNA Impfstoff geimpfter MĂŒtter ab dem siebten Tag.

Empfehlungen der Fachgesellschaften

InstitutionLand/
Empf-ehlung
Kernaussagen
StÀndige Impfkommission (Robert-Koch-Institut RKI)D
👍👎
Unzureichende Datenlage; “Die STIKO hĂ€lt es fĂŒr unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter wĂ€hrend der Stillzeit ein Risiko fĂŒr den SĂ€ugling darstellt.” Keine generelle Empfehlung; AbwĂ€gung bei Risikogruppen. (14.01.21)
European Medicines Agency (EMA)EU
👍👎
“Obwohl es keine Studien zum Stillen gibt, wird kein Risiko fĂŒr das Stillen erwartet.” (12.01.21)
Centers for Disease Control and Prevention (CDC)USA
👍👎
Bisher unzureichende Datenlage. Keine Annahme, dass mRNA Impfstoff Gefahr fĂŒr das Kind darstellt. Risikogruppen können sich fĂŒr Impfung entscheiden. (07.01.21)
Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA)UK
👍👎
bis 30.12.20: keine Empfehlung fĂŒr stillende Frauen
ab 30.12.20: unzureichende Datenlage; keine Annahme, dass Risiko fĂŒr Kind besteht; Vorteile des Stillens sind sehr gut bekannt (15.01.21)
Weltgesundheits-organisation (WHO)🌐
👍👎
Morderna/ mRNA-Impfstoff: “The vaccine can be offered to a breastfeeding woman who is part of a group recommended for vaccination (e.g. health workers); discontinuing breastfeeding after vaccination is currently not recommended.” (30.01.21)

Der Impfstoff kann einer stillenden Frau angeboten werden, die Teil einer fĂŒr die Impfung empfohlenen Gruppe ist (z. B. Gesundheitspersonal). Eine Beendigung der Stillbeziehung nach der Impfung wird derzeit nicht empfohlen.
Zusammenfassung der Kernaussagen ohne GewĂ€hr. Bei einer bevorstehenden Entscheidung können die aktuellen Aussagen ĂŒber die Links nachgelesen werden.

Risikofaktoren fĂŒr die Mutter

Bei diesen Erkrankungen können nach EinschĂ€tzung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Perinatale Medizin (DGPM), Deutschen Gesellschaft fĂŒr GynĂ€kologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Nationalen Stillkommission (NSK) die Vorteile einer Impfung fĂŒr die Mutter ein mögliches Risiko fĂŒr das Kind ĂŒberwiegen:

  • vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen/ HerzschwĂ€che
  • chronische Lungenerkrankun­gen (z. B. Asthma, chronische Bronchitis, COPD)
  • Au­­toimmunerkrankungen/ HIV/ Cortisonbehandlungen
  • Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus)
  • Bluthochdruck (ab 160 – 180 mmHg)
  • Fettleibigkeit (Body-Mass-Index > 30)
  • Behandlungen aufgrund von Krebserkrankungen

Wie ist die “schnelle” Impfstoffentwicklung einzuordnen?

Durch die Pandemie rĂŒckte die Thematik mRNA-Impfstoff in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Die Grundlagenforschung liegt aber bereits Jahrzehnte zurĂŒck. Seit den 1990er Jahren forschte die ungarische Biochemikerin Katalin KarikĂł und leitende Angestellte von BioNTech an der Entwicklung von Impfstoffen auf mRNA Basis. Die Medikamente sollten allerdings bei Krebs- oder Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Seit den 2010er Jahren forscht Curevac an einer Nutzung von mRNA fĂŒr Influenza Impfungen. Durch die Pandemie wurde die Technik dieser Forschung auf die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs ĂŒbertragen.

GrundsĂ€tzlich dauert die Entwicklung von Impfstoffen Jahre – ebenso die Zulassungsverfahren. Das Paul-Ehrlich Institut gibt die regelmĂ€ĂŸige Verfahrensdauer mit 62 Tagen (vgl. Antwort 7) an. Allerdings war in diesem Fall der gesellschaftliche und politische Druck so hoch, dass Zulassungsschritte parallel durchgefĂŒhrt wurden. Im Rahmen des eingesetzten Rolling Review Verfahrens wurden die Studienergebnisse fortlaufend an die Zulassungsbehörden ĂŒbermittelt und von diesen geprĂŒft. Dadurch konnten unnötige Verzögerungen und Wartezeiten bei der Zulassung vermieden werden. Der BioNTech Impfstoff wurde am 21.12.20 von der EU Kommission zugelassen und die Chargenfreigabe von Paul-Ehrlich-Institut am 23.12.20 erteilt.

Bei der Betrachtung der Studienergebnisse muss auch die Zahl der Probanden mit einbezogen werden. In der Regel finden Phase-III-Studien an gesunden Menschen mit ca. 10.000 Probanden statt.

Die Coronaimpfstoffe wurde mit grĂ¶ĂŸeren Probandengruppen in den Phase-III-Studien getestet:

  • Der BioNTech/Pfizer mRNA-Impfstoff wurde mit 43.500 Probanden ab 16 Jahren in weltweit 152 Studienzentren (USA, Argentinien, Brasilien, SĂŒdafrika, Deutschland, TĂŒrkei) getestet.
  • Der Moderna mRNA-Impfstoff wurde an 30.420 Probanden in den USA getestet. Beide Vakzine wurden damit in großen Studien auf Wirkung und Nebenwirkungen ĂŒberprĂŒft.
  • Der Astra/Zeneca Vektor-Impfstoff wurde an 17.177 Probanden in Großbritannien, Brasilien und SĂŒdafrika getestet.
  • Der Janssen/Johnson & Johnson Vektor-Impfstoff wurde an 43.783 Probanden aus verschiedenen Regionen getestet.

Trotz aller Sorgfalt handelt es sich um eine neue Technik und einen neuen Impfstoff. Es fehlen damit Langzeiterfahrungen und Erfahrungen bei besonderen Personengruppen wie Kindern, Schwangeren und Stillenden.

Fazit

Ob eine Corona Impfung in der Stillzeit sinnvoll oder ratsam ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht grundsÀtzlich gesagt werden. Dazu sind die Erkrankung und die Impfstoffe zu neu, bzw. die Studiendaten zu gering. Es ist also eine Einzellfallbetrachtung notwendig.

Bevor Sie aber aufgrund der Impfung Abstillen oder wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, sollten Sie sich im Vorfeld genauer informieren und beraten lassen.

Bei der Entscheidung kann Sie Ihr GynĂ€kologe, Ihr Hausarzt, Ihre Hebamme oder Ihre Stillberaterin unterstĂŒtzen.

Nachlese

Tipp

Die MerkblĂ€tter fĂŒr die Corona Impfung können Sie schon vorab und in mehreren Sprachen beim Robert-Koch-Institut abrufen und durchlesen:

In Bayern können sich Interessierte fĂŒr die Impfung beim Bayerischen Staatsministerium fĂŒr Gesundheit und Pflege unter https://impfzentren.bayern/ online registrieren.

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