Telefon

089/70009538

Beratungszeiten

tÀglich 8 - 19 Uhr

Stillen und Alkohol schließen sich eigentlich aus. Ausnahmen sind aber unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Die Handlungsempfehlungen der Nationalen Stillkommission am Bundesamt fĂŒr Risikobewertung sind eindeutig: „Stillen und Alkoholkonsum? – Besser nicht!“ [1] Da es aber in der Verantwortung der Mutter liegt, möchte ich Ihnen hier die Probleme und die Folgen von Stillen und Alkoholkonsum zeigen. Bei besonderen AnlĂ€ssen, wie Hochzeiten und Geburtstagen, sind Ausnahmen unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Wieviel Alkohol kommt in die Muttermilch?

Alkohol gelangt ĂŒber das Blut in die Muttermilch. Studien zeigen, dass der Alkoholspiegel in Ihrer Muttermilch genauso hoch ist, wie der Alkoholspiegel in Ihrem Blut.

In einer Studie von Peppino et al.[6] wurde 2007 die Alkoholaufnahme von 15 normal Gewichtigen, nĂŒchternen Frauen untersucht, die jeweils eine Dosis von 0,4 g Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht erhalten haben. Eine Frau mit 50 kg hat 20 g Alkohol (1/2 Bier oder 1 Glas Wein) eingenommen. In der Spitze erreichten die Probandinnen eine Konzentration von 0,8 ‰. Der Abbau wurde mit etwa 6 g/h ermittelt und entspricht in etwa der Formel von 0,1 Gramm Alkohol pro Stunde pro Kilogramm Körpergewicht.

ExpositionsabschĂ€tzungen auf der Basis von experimentellen Untersuchungen und toxikokinetischen Modellierungen zeigen, dass die Alkoholkonzentration im Blut gestillter SĂ€uglinge nach dem mĂŒtterlichen Konsum moderater Mengen Alkohol (bis zu 1/4 l Wein) gering ist, da nur ein Teil des Alkohols aus der getrunkenen Milch in das Blut des SĂ€uglings ĂŒbergeht. [1]

Rechenbeispiel mit dem Promillerechner[3]: Wenn eine 170 cm große und 60 kg schwere Frau (25 Jahre) um 20 Uhr ein Glas Wein (0,125 l.) trinkt, nimmt sie 12 Gramm Alkohol zu sich. In der Spitze hat sie durchschnittlich eine Blutalkoholkonzentration von 0,3 ‰. Ab 22 Uhr wird mit dem vollstĂ€ndigen Abbau des Alkohols gerechnet. Aufgrund der neurotoxischen Wirkung des Alkohols sollten Sie aber einen Puffer von – in diesem Fall – einer weiteren Stunde planen.

Wichtig: Die Höhe des Alkoholspiegels in der Muttermilch ist aber auch abhĂ€ngig von Ihrem Gewicht, dem Alkoholgehalt und der Menge Ihres GetrĂ€nkes, wie schnell getrunken wird und was Sie vorher gegessen haben. Der Alkoholspiegel der Muttermilch sinkt in etwa genauso schnell wie der Blutalkoholspiegel der Mutter, abhĂ€ngig von der ursprĂŒnglichen Höhe.

Was bewirkt Stillen und Alkohol trinken?

Alkohol wirkt sich auf die mĂŒtterlichen Hormone aus, die wĂ€hrend der Stillzeit sehr wichtig sind. So wird zum Beispiel das hormonelle Wechselspiel von Oxytocin und Prolaktin beeinflusst. Gerade in der Anfangszeit kann eine Störung des Hormonhaushalts ungĂŒnstige Langzeitwirkungen haben.

Eine erhöhte Aufnahme von Alkohol kann auch zu einer VerĂ€nderung der Zusammensetzung der Muttermilch fĂŒhren und den Geschmack der Muttermilch verĂ€ndern. Dadurch kann es sein, dass Ihr Baby die Brust verweigert.

Diese Störungen können in der Folge zu wunde Brustwarzen, Milchstau oder eine BrustentzĂŒndung fĂŒhren.

Über eines sollten sich Eltern im Klaren sein: Alkohol ist ein Neurotoxin (Nervengift). Damit sind auch Auswirkungen auf das Baby, abhĂ€ngig von der aufgenommenen Menge und der HĂ€ufigkeit, möglich. Problematisch ist, dass ĂŒber kurz- und langfristige Wirkungen des Alkoholkonsums in der Stillzeit auf den kindlichen Organismus keine kontrollierten Studien vorliegen, sodass die Datenlage nicht ausreicht, um daraus eine Dosis-Wirkungs-Beziehung ableiten zu können. [1]

Wenn Babys Alkohol ĂŒber die Muttermilch aufnehmen, können folgende Symptome auftreten:

  • Gereiztheit und UnruhezustĂ€nde
  • Schlafstörungen
  • Vermehrtes Schreien
  • Saugprobleme
  • mangelnde Gewichtszunahme
  • VerhaltensauffĂ€lligkeiten
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen
  • VergiftungszustĂ€nde

Internationale Empfehlungen zu Alkohol in der Stillzeit

LandEmpfehlungQuelle/ Stand
DeutschlandStillen und Alkoholkonsum? – Besser nicht!Nationale Stillkommission am Bundesinstitur fĂŒr Risikobewertung (2012)
EnglandfĂŒr stillende Frauen gleiche Empfehlung wie fĂŒr Schwangere: Alkohol vermeiden, niemals mehr als 1–2 alkoholische GetrĂ€nke ein- bis zweimal pro WocheNational Health Service (2006)
Frankreichgelegentlich 1–2 GlĂ€serAgence Nationale d’AccrĂ©ditation et d’Évaluation en SantĂ© (2002)
ÖsterreichStillende Frauen sollen alkoholische GetrĂ€nke so weit es geht vermeiden. Auf GetrĂ€nke mit hohem Alkoholgehalt sollte verzichtet werden.Bundesministerium fĂŒr Gesundheit (2009)
SchweizMeiden von Alkohol in der Stillzeit, da regelmĂ€ĂŸiger Alkoholkonsum oder Konsum grĂ¶ĂŸerer Mengen die psychomotorische Entwicklung beeintrĂ€chtigen kannSchweizerische Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (2008)
AustralienAm besten kein Alkohol, das ist am sichersten.
Auf jeden Fall sollen Frauen im ersten Lebensmonat des Kindes, solange das Stillen noch nicht gut etabliert ist, keinen Alkohol trinken. Danach unter 20 g Alkohol pro Tag. Kein Alkoholkonsum unmittelbar vor dem Stillen. Stillende Frauen, die Alkohol konsumieren wollen, sollen sich einen abgepumpten Milchvorrat anlegen.
Australian Government & National Health and Medical Research Council (2009) Australian Breastfeeding Association (2009)
KanadaExzessiver oder tÀglicher Alkoholkonsum wird abgelehnt, nach gelegentlichem Konsum eines alkoholischen GetrÀnks wurde keine schÀdliche Wirkung beim Kind beobachtet.Public Health Agency of Canada (2005)
NeuseelandAlkohol soll wĂ€hrend der Stillzeit vermieden werden. Wenn kein Verzicht möglich ist, soll der Konsum auf gelegentlich 1 bis 2 Standarddrinks (10– 20 g Alkohol) reduziert werden. Exzessiver Alkoholkonsum soll vermieden werden.Ministry of Health New Zealand (2008)
USAEs soll nicht mehr als 0,5 g Alkohol pro kg KG pro Tag (≈ 2 GlĂ€ser Wein bei einer 60 kg schweren Frau entsprechend 30 g reinem Alkohol) getrunken und bis zu zwei Stunden nach Konsum eines alkoholischen GetrĂ€nks nicht gestillt werden.American Academy of Pediatrics and the American College of Obstetricians and Gynecologists (2006)
USA (Kalifornien; Sonoma County)Ein gelegentliches alkoholisches GetrÀnk zu besonderen AnlÀssen ist akzeptabel, aber es sollte bis zu zwei Stunden danach nicht gestillt werden.American Academy of Pediatrics (2005) (http://www.aap.org/)
vgl. Alkohol in der Stillzeit – Eine Risikobewertung unter BerĂŒcksichtigung der Stillförderung S. 27.

Wie kann ich Alkoholkonsum und Stillen vereinbaren?

Wenn der Konsum von Alkohol unvermeidbar ist, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Stillen Sie Ihr Baby, bevor Sie Alkohol trinken
  • Essen Sie etwas vor und wĂ€hrend des Alkoholkonsums
  • Sie könnten eventuell auch vorher etwas Muttermilch abpumpen, damit Sie, falls Ihr Baby sehr bald wieder Stillen möchte, diese Milch anbieten können.
  • Es ist sehr wichtig, dass Sie dafĂŒr sorgen, dass sich eine zuverlĂ€ssige Betreuungsperson um Ihr Kind kĂŒmmert, fĂŒr den Fall, dass es Ihnen nicht mehr möglich ist.
  • Außerdem sollten Sie es unbedingt vermeiden alkoholisiert mit Ihrem Kind im selben Bett zu schlafen – Sie könnten es verletzen.

Alkohol im Essen

Neben einem gezielten Alkoholkonsum, in der Regel ĂŒber GetrĂ€nke, kann es auch zu einem (unwissentlichen) Konsum ĂŒber Speisen kommen. Eine Praline Ferrero MonCherie enthĂ€lt ca. 0,66 g Likör, also ca. 0,21 g Alkohol (wenn Likör mit 40 Vol.%). Sie mĂŒssen allerdings 57 Pralinen verzehren, um auf ein Glas Wein zu kommen. Bei einer italienischen Zabaione, Weinschaumcreme, können bis zu 6 Vol.-% Alkohol enthalten sein.[4] Wenn sie 200 ml. von diesem Dessert essen, entspricht das etwa einem Glas Wein.

Alkohol kann aber auch in weiteren Lebensmitteln, natĂŒrlicherweise durch GĂ€rung, oder als Konservierungsmittel enthalten sein: Überreife Bananen, FruchtsĂ€fte, GemĂŒsesĂ€fte, (Fertig-) Teige und Kuchen, Sauerkraut, Kefir, Fruchtmus. [5] Allerdings ist die Menge sehr gering.

Eine signifikante Belastung durch Alkohol beim Essen mĂŒssen Sie in der Regel nicht erwarten. Und wenn doch Alkohol enthalten ist, können Sie die Mengen gering halten, bzw. durch Abwechslung und Vielfalt das Risiko minimieren.

Fazit zu Alkohol in der Stillzeit

Insgesamt zeigt die Studienlage, Alkohol in der Stillzeit, dass ein gelegentlicher Alkoholkonsum in kleinen Mengen mit dem Stillen vereinbar ist, wenn nach der Einnahme des Alkohols eine kurze Stillpause von ca. 2 – 2,5 Stunden eingehalten wird. Am besten bleibt der weitgehende Verzicht auf Alkohol.

GrĂ¶ĂŸere Mengen an Alkohol mĂŒssen in der Stillzeit ebenso vermieden werden wie chronischer, regelmĂ€ĂŸiger Alkoholkonsum. Bei einem mĂŒtterlichen Alkoholmissbrauch muss zum Abstillen geraten werden.

Übersicht Alkohol und Stillen

Literatur

  1. Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung, Alkohol in der Stillzeit – Eine Risikobewertung unter BerĂŒcksichtigung der Stillförderung, 07/2012.
  2. Anderson, Alcohol Use During Breastfeeding, Breastfeeding Medicine 01.06.18.
  3. Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung, Promillerechner (nur ungefĂ€hre NĂ€herungswerte!).
  4. MĂŒnchner Merkur, Kuchenrausch? So viel Restalkohol bleibt nach dem Erhitzen zurĂŒck, 06.10.20.
  5. Vital.de, Diese Lebensmittel enthalten kleine Mengen Alkohol, 15.12.16.
  6. Pepino et al., Lactational State Modifies Alcohol Pharmacokinetics in Women, Alcohol Clin Exp Res. 2007 Jun; 31(6): 909–918.
⇓ ❀ Gefallen Ihnen meine kostenfreien Erste-Hilfe-Tipps? Mit einem 👍 Like bei Facebook, Twitter & Co. können Sie Danke sagen. ❀

Lesenswerte Artikel

Leave A Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.